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Fußball - Sicherheitsgipfel

Fans dürfen weiterhin im Stehen jubeln

  • Stehplatz-Tribüne in Dortmund
  • Video Verhlatenskodex und höhere Strafen
  • Bilderserie Viel Feuer und ein Fast-Abbruch
  • Südtribune im Signal Iduna Park / Quelle: imago

    Auch in Dortmund wird es weiterhin Tribünen mit Stehplätzen geben.

    (16.07.2012 Quelle: imago)
    VideoVerhlatenskodex und höhere Strafen

    Verschärfte Sanktionen und ein Verhlatenskodex sind die Ergebnisse des Sicherheitsgipfels zur Gewalt in Fußballstadien zwischen Politik und Profivereinen. Fan-Vertreter waren übrigens nicht eingeladen.

    (17.07.2012)
    BilderserieViel Feuer und ein Fast-Abbruch

    Skandalspiel um den Bundesliga-Aufstieg. Am Ende feiert Düsseldorf die Rückkehr in die Bundesliga - doch der Fußball hat verloren.

    (15.05.2012)

    Kurzmeldung

    • 17:59 17.07.2012Kurzmeldung

      Bruchhagen: "Eigentlich nichts Neues" 17:59 17.07.2012
      Die Bundesliga-Vereine haben die Ergebnisse des Berliner Gipfeltreffens gegen Gewalt in Stadien zurückhaltend bewertet. "Es gab eigentlich nichts Neues, nur dass wir gemeinsam entschlossen sind, der Problematik Herr zu werden", sagte der Eintracht-Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. Der Präsident des VfB Stuttgart, Gerd Mäuser, wies darauf hin, dass die eigentlichen Ergebnisse erst in den nächsten Monaten erarbeitet werden müssten. Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, begrüßte indes, dass die Vereine von der ersten bis zur dritten Liga nun an einem Strang ziehen würden.

    • 14:54 17.07.2012Kurzmeldung

      Kodex soll Fan-Gewalt beenden 14:54 17.07.2012
      Ein neuer Verhaltenskodex, aber kaum konkrete Beschlüsse: Im Kampf gegen die Gewalt im Fußball haben die Klubs, Verbände und Politik beim Sicherheitsgipfel den Fans eine letzte Chance gegeben. In dem Verhaltenskodex verurteilten die Vertreter der 53 Profivereine den Einsatz von Pyrotechnik sowie jede Form von Gewalt und erklärten ihren Willen, Verstöße hart zu sanktionieren. Sollte es in der kommenden Saison keine Beruhigung geben, drohen harte Einschnitte bis hin zum Verlust der Stehplätze. Zudem soll die Maximaldauer von Stadionverboten auf maximal zehn Jahre erhöht werden.

    • 15:45 17.07.2012Kurzmeldung

      Union nicht bei Sicherheitsgipfel 15:45 17.07.2012
      Zweitligist Union Berlin hat als einziger der 54 deutschen Proficlubs den Sicherheitsgipfel in Berlin boykottiert. Als Begründung nannte Vereinssprecher Christian Arbeit, dass der am Dienstag beschlossene Verhaltenskodex den Vereinen erst am Montag um 16.45 Uhr zugesandt worden sei. "Bevor solch ein Kodex verabschiedet werden kann, sollten sich die Vereine zunächst auf einen Konsens einigen können", sagte Arbeit. "Innerhalb eines Tages ist dies nicht zu machen. Es scheint auch so, als sollte dies bei dieser Akklamationsveranstaltung gar nicht gewollt gewesen zu sein."

    • 16:31 17.07.2012Kurzmeldung

      Fan-Vertreter fühlen sich übergangen 16:31 17.07.2012
      Die Fan-Vertreter der Bundesligaklubs fühlen sich von den Fußball-Verbänden und der Politik übergangen. "Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass wir zu dem sogenannten Gewaltgipfel nicht eingeladen worden sind. Im Grunde ist es ohne Fan-Vertreter zwecklos, über Maßnahmen gegen Gewalt im Fußball zu diskutieren", sagte Jakob Falk von der Fanvertretung "Pro Fans". Auf der Konferenz mit Innenminister Friedrich wurde ein Katalog von Maßnahmen gegen Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen zusammengestellt. "Pro Fans" fürchtet nun populistische Schnellschüsse und härtere Sanktionen.

    Stimmung wie im Lesesaal

    von Ralf Lorenzen

    Es gab Zeiten, da verspotteten die Fans des FC Liverpool oder Manchester United die Stimmung beim Liga-Konkurrenten FC Arsenal. "Highbury – Library", sangen sie. Inzwischen ist ihnen der Spott vergangen. Seit Anfang der 90er Jahre haben sich alle englischen Stadien stimmungsmäßig in Lesesäle verwandelt. Aus den Geburtsstädten der europäischen Fankultur sind "Allseaters" geworden, klinisch sauber, mit Ticketpreisen, die sich viele nicht mehr leisten können.

    Wendepunkt Hillsborough

    Den Wendepunkt markierte die Hillsborough-Katastrophe 1989, bei der in Sheffield beim FA-Cup-Spiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest auf den Stehrängen 98 Fans starben. Umgehend wurden in englischen Stadien Stehplätze verboten. Die Verbände FIFA und UEFA zogen 1998 nach – seitdem gibt es bei internationalen Begegnungen nur noch Sitzplätze.

    „Stehplätze sind Symbole für soziale Freiräume“, sagt der Fansoziologe Gerd Dembowski im Gespräch mit ZDFsport.de. „Jugendkulturen sind bewegungsorientiert, kostengünstige Stehplätze gehören fest zur Stimmungsbildung. Auch für ältere Fans bedeutet Fußball im Stadion Dampf ablassen und Kräfte sammeln für den Alltag – Stehplätze können das Gefühl dazu symbolisch unterstützen.“

    "Sitzen ist für'n Arsch"

    Auch in Deutschland befürchteten nach der Hillsborough-Katastrophe viele Fans, dass die Vereine ihnen aus kommerziellen und sicherheitsorientierten Gesichtspunkten die Freiräume nehmen würden. Schließlich standen in etlichen Bundesligastädten Modernisierungen oder Neubauten an. So wie in Bremen, wo die Fans zwei Herzen in ihrer Brust hatten.

    Einerseits versprach ihnen die Modernisierung des Weserstadions endlich ein Dach über den Köpfen, andererseits hatten sie Angst um ihre Stehplätze. Sie gründeten das Projekt "Sitzen ist für’n Arsch" und bauten selbst Modelle für eine Kurve, die ihre Vorstellungen von Fankultur erfüllten. Mit Erfolg, wie das Bündnis aktiver Fußball-Fans (BAFF) 2004 feststellte.

    Fans loben Vereine

    „In jüngerer Vergangenheit haben z.B. der FC Schalke 04 und Werder Bremen die Interessen der Fans in die Realisierung der Neu- bzw. Umbaupläne mit einfließen lassen und annehmbare Stehplatzkapazitäten geschaffen“, heißt es in dem Bericht. „Diese Beispiele zeigen, dass beide Seiten, Fans wie Vorstand, zusammen konstruktive Kompromisslösungen erarbeiten können.“

    Den UEFA-Bestimmungen wurde in den meisten Stadien durch den Einbau von Vario-Sitzen bei internationalen Begegnungen Rechnung getragen. Heute zählen die deutschen Stadien nicht nur zu den sichersten in der Welt. Sie werden auch von englischen Fußball-Fans, die wieder stehen wollen, als leuchtendes Vorbild gesehen.

    Neue Diskussion nach Platzsturm

    Doch seit den Vorfällen beim Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC, als Fans den Platz stürmten, werden die Stehplätze hierzulande wieder in Frage gestellt.  „Die Stehplätze gehören abgeschafft, die Zäune erhöht, und bei jeder Ausschreitung sollten für den Verein 100.000 Euro fällig werden“, machte Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, den Anfang.

    Und ließ dabei außer Acht, dass die Zäune in den Bundesliga-Stadien als vernünftige Konsequenz der Hillsborough-Katastrophe, wo sie sich als Todesfallen erwiesen hatten, gestutzt worden sind. Kurz darauf griff Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich den Ball mit der Bemerkung auf, wenn die Fans nicht vernünftig würden, bleibe nichts anderes übrig als das Thema Stehplatzverbot auch umzusetzen.

    Gegenwind von Rauball und Fans

    „Stehplätze in Deutschland sind sicher und modern“, hält Gerd Dembowski,  der bei der Kompetenzgruppe Fankulturen und sportbezogene Soziale Arbeit in  Hannover arbeitet, dagegen. „Nach meinen Erkenntnissen ist ein Stehplatzareal im Panikfalle viel schneller und problemloser zu räumen. Sitzschalen werden z.B. zu Stolperfallen. Und sie würden kaum jemand von einem Platzsturm abhalten.“ Laut Dembowski geht  es bei Sitzplätzen vor allem um eine bessere Kamerasicht, mit der Fans eingeschüchtert und besser ausfindig gemacht werden sollten. „Aber auch auf so etwas könnten Fans erfinderisch reagieren."

    Inzwischen hat Innenminister Friedrich Gegenwind aus allen Bereichen des Fußballs, vom Liga-Präidenten Rauball bis zur  Koordinationsstelle der Fanprojekte bekommen und ruderte selbst vorsichtig zurückrudert. „Stehplätze stehen derzeit nicht zur Disposition", erklärte er.

    DFL-Vollversammlung am 12. Dezember

    Anlass der Veranstaltung

    Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) traf sich am 12. Dezember in Frankfurt mit den Vertretern der 36 Profiklubs auf der Mitgliederversammlung, um über das umstrittene Papier «Sicheres Stadionerlebnis» abzustimmen. Die Innenminister der Länder hatten den Klubs mit einschneidenden Maßnahmen gedroht und von den Vereinen einheitliche Regelungen zur Bekämpfung der Gewalt gefordert.

    Normalerweise reicht eine einfache Mehrheit, eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist notwendig, wenn bei einem Antrag die Lizenzspielordnung geändert wird.

    Die 16 Anträge in Kurzform zusammengefasst:                            
                                           
    Antrag 1: Die Veranstaltungsleiter von Bundesliga-Spielen bekommen eine genaue Funktionsbeschreibung.                 
    Antrag 2: Ein verbindlicher Dialog zwischen Fans und Klubs wird verankert.
    Anträge 3 und 4: Die Polizei bekommt mehr Kompetenzen.                      
    Antrag 5: Der Ordnungsdienst des Gastvereins wird im Stadion des Heimvereins mit einbezogen.                        
    Antrag 6: Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten werden genau festgelegt.    
    Antrag 7: Verbindliche Teilnahme des Veranstaltungsleiters an Sicherheitsbesprechungen bei Risikospielen.         
    Antrag 8: Kontrollen an Stadioneingängen werden verschärft.                 
    Antrag 9: Ordnungsdienstkräfte werden geschult.                              
    Antrag 10: Aufgaben des Fanbeauftragten am Spieltag werden festgelegt.         
    Antrag 11: Festlegungen für Risikospiele und Spiele unter Beobachtung.
    Antrag 12: Ein Zertifizierungsverfahren ("Stadionerlebnis") wird entwickelt.   
    Antrag 13: Eine ständige Kommission Stadionerlebnis wird eingerichtet.     
    Antrag 14: Festgelegt wird, wann das Ticketkontingent für Auswärtsfans reduziert werden darf.
    Antrag 15: Weiterentwicklung der DFB-Sportgerichtsbarkeit (Anträge sollen erst zum DFB-Bundestag im Oktober 2013 erarbeitet werden).                    
    Antrag 16: Erlöse aus der Vermarktung (Fernsehgelder) werden zweckgebunden an die Vereine ausbezahlt, wenn diese wiederholt Sicherheitsmaßnahmen nicht erfüllen.

    Eckpunkte des Papiers

    - Null-Toleranz beim Verbot von Pyrotechnik

    - Erhöhung der Ausgaben für Fan-Betreuung

    - Konsequente Durchsetzung von Stadionverboten

    - Mehr Video-Kameras in den Gäste-Stehplatzbereichen

    - Personalisierte Eintrittskarten

    - Durchsetzung von zivilrechtlichen Ansprüchen gegen die Verursacher

    Strittige Punkte

    Umstrittene Punkte im Konzept «Sicheres Stadion» sind vor allem die Anträge 8, 11 und 14. Bei Spielen mit erhöhtem Risiko, so die DFL, ist die Durchführung von verstärkten Personenkontrollen zu erwägen. Zuvor heißt es, dass Ligaverband und Deutscher Fußball-Bund (DFB) zu keinem Zeitpunkt «statuarische Vorgaben für die Durchführung sogenannter Vollkontrollen» vorgeschlagen haben. Die Entscheidung, in welchem Umfang Fans an den Stadioneingängen durchsucht haben, obliege wie bisher dem Heimverein. Für die Fanvertreter ist damit klar, dass Vollkontrollen nicht kategorisch ausgeschlossen sind. Zumal in dem Antrag steht, dass Kontrolleinrichtungen so beschaffen sein müssen, dass Kontrollen sicher, zügig und angemessen durchgeführt werden können. Da fürchten Kritiker, dass diese öfter in Zelten stattfinden wie kürzlich beim Bundesliga-Spiel FC Bayern - Eintracht Frankfurt.

    Zudem geht es um die mögliche Reduzierung des Ticket-Gästekontingents. Normalerweise stehen den Auswärtsfans wie bisher zehn Prozent der Karten zu. Künftig sollen diese um die Hälfte reduziert werden können, wenn das DFB-Sportgericht nach Zwischenfällen ein entsprechendes Urteil fällt - oder bei «einer anderslautenden Festlegung des Heimvereins bei Spielen mit erhöhtem Risiko». Für Gegner des Sicherheitskonzepts ist diese eine Kollektivstrafe, zudem sehen sie sich dem Wohlwollen des Heimclubs ausgeliefert.

    17.07.2012
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