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21. November 2009
 

Politbarometer

 
Hessen eine Woche vor der Wahl.

Hessen Spezial

"TSG" schlägt Koch
- im Netz

Umfrage: Viel-Nutzer bevorzugen den SPD-Mann

Thorsten Schäfer-Gümbel hat mit dem konsequenten Internet-Wahlkampf offensichtlich aufs richtige Pferd gesetzt. Nach Untersuchungen der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF kann "TSG" vor allem bei Viel-Nutzern punkten. Hier liegt der hessische SPD-Kandidat knapp vor seinem Kontrahenten Roland Koch. Die Hessen sind offensichtlich auch alles andere als politikmüde: 58 Prozent der Nutzer in Hessen informieren sich im Internet über politische Themen.

 
 
 

Obama hat es vorgemacht: Im Internet lassen sich neue Wählerschichten erschließen. Vor allem in Hessen gibt es Potenzial: Hier informieren sich überdurchschnittlich viele Menschen im Netz über Politik (Hessen: 58 Prozent, Bundesdurchschnitt: 41 Prozent). Und Thorsten Schäfer-Gümbel hat bei den Usern mehr Zuspruch als im sonstigen Wählerspektrum - besonders deutlich wird das bei der Gruppe der Surfer, die das Internet länger als zehn Stunden pro Woche nutzen.

 
Politbarometer: Bevorzugter Ministerpräsident.
Bei den Vielnutzern hat "TSG" die Nase vorn

Bei ihnen schneidet der SPD-Politiker auf die Frage, wen sie lieber als Ministerpräsidenten hätten, mit 41 Prozent sogar geringfügig besser ab als Koch, der 39 Prozent erhält. Zum Vergleich: Bei allen Befragten im Politbarometer erreicht Schäfer-Gümbel nur 33 Prozent - er liegt deutlich hinter Koch, der auf 44 Prozent kommt.

 

Nutzer sehen für "TSG" schwarz

Doch auch diese Zahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Befragten für "TSG" schwarz sehen. Während im Politbarometer 69 Prozent einen Sieg Kochs erwarten, sind es bei den Internet-Nutzern 72 Prozent und bei der Gruppe der Viel-Nutzer sogar 74 Prozent.

 
Wird Koch die Wahl gewinnen?.
Roland Koch sieht wie der klare Sieger aus

Auf jeden Fall ist das Interesse der Internet-Nutzer und -Viel-Nutzer an der Landtagswahl in Hessen mit 68 Prozent deutlich höher als das Interesse der Nicht-Nutzer, von denen sich nur die Hälfte für die Wahl interessiert. Dies schlägt sich jedoch nicht auf die Sicherheit der eigenen Wahlentscheidung nieder: Internet-Nutzer und Nicht-Nutzer sind sich ihrer Entscheidung gleichermaßen sicher (56 bzw. 55 Prozent). Allerdings ist bei den Internet-Nutzern der Anteil jener größer, die sich ihrer Entscheidung nicht sicher sind: Mit 19 Prozent liegt er fast doppelt so hoch wie bei den Nicht-Nutzern. Dafür ist wiederum der Anteil an Nichtwählern bei der Gruppe der Internet-Nicht-Nutzer mit 12 Prozent doppelt so groß wie bei Nutzern.

Kleinere Parteien profitieren vom Netz

Die Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen hat aufs Neue bestätigt, dass es einen Zusammenhang zwischen der Art der Internet-Nutzung und dem Grad der Bildung gibt. Je höher der formale Bildungsgrad desto höher das Interesse an Politik-Themen im Internet. Und auch die Altersverteilung wird erneut bestätigt: Je jünger die Menschen desto häufiger gehen sie online. Der Einfluss der Bildung lässt sich sowohl bei den Jüngeren als auch bei den Älteren nachzeichnen: So ist bei Usern über 34 Jahre mit Abitur das Interesse an Politik im Internet mit 53 Prozent um ein Vielfaches größer als bei den Gleichaltrigen mit Hauptschulabschluss und auch bei den unter 35-Jährigen suchen Internetnutzer mit Abitur (78 Prozent) überdurchschnittlich häufig nach politischen Informationen im Netz.

 
Die Nutzung des Internets der Parteianhänger.
Die Anhänger der kleineren Parteien sind im Netz stärker an Politik interessiert als die anderen

Das Potenzial, die Aufmerksamkeit im Internet zu Wählerstimmen zu machen, haben laut Umfrage in Hessen vor allem die kleineren Parteien. Die Anhänger von FDP, Grünen und der Linken suchen im Netz deutlich mehr nach Politiknachrichten als die Anhänger von CDU und CSU. Das decke sich mit bisherigen Erkenntnissen, erklärt Andrea Wolf von der Forschungsgruppe Wahlen: "Die Anhänger der kleineren Parteien interessieren sich generell mehr für Politik als die anderen." Der Erfolg der Grünen lasse sich beispielsweise durch den überproportional höheren Anteil von formal höher Gebildeten erklären. Und der Erfolg der Linken in diesem Bereich? "Die Linke kann zum einen bei der Gruppe punkten, die sich Sorgen um den Arbeitsplatz macht oder schon die Arbeit verloren hat - sie kann aber auch bei höher Gebildeten Punkte machen, dort aber eher aus ideologischen Gründen."

Infobox

Die Umfragen zu diesem Politbarometer extra...

wurden wie immer im Auftrag des ZDF von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 6. bis 8. Januar 2009 unter 1072 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Hessen. Die Fehlertoleranz beträgt 3,0 Prozentpunkte bei einem Parteianteil von 40 Prozent und 1,8 Prozentpunkte bei einem Parteianteil von 10 Prozent.